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Arsenal der anderen Gattungen - Sachbücher für Kinder und Jugendliche
 

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»Stumme Lichtzeichen«
Arno Schmidt und das Kino
 

Tieck, Ludwig
Der Jahrmarkt
Novelle
 

von Ungern-Sternberg, Alexander
Die Zerrissenen
Roman
 


Kindermann, Eberhard Christian

Die Geschwinde Reise auf dem Lufft-Schiff nach der obern Welt … (1744)

... welche juengsthin fuenff Personen angestellet, um zu erfahren, ob es eine Wahrheit sey, daß der Planet Mars den 10. Jul. dieses Jahrs das erste mahl, so lange die Welt stehet, mit einem Trabanten oder Mond erschienen? Der untern Welt zu curieuser Gemueths-Ergoetzung und Versicherung dieser Begebenheit mitgetheilet durch die allgemeine Fama. [Berlin]: [Radetzki] 1744.

Hrsg. v. Hania Siebenpfeiffer

Mit einem Nachwort von Hania Siebenpfeiffer. Unter der Mitarbeit von Stephanie Torge und Kristin Just.

Fundstücke 24
2010, 108 Seiten, Broschur
ISBN 978–3–86525–139–8
ISSN 1862–9874
Preis: 14,00 €

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  Die Geschwinde Reise auf dem Lufft-Schiff nach der obern Welt … (1744)

 

1744 erschien in Berlin eine kurze Erzählung mit dem Titel Die Geschwinde Reise auf dem Lufft-Schiff nach der obern Welt des Thüringer Astronomen und Mathematikers Eberhard Christian Kindermann. Dieser hatte bis dahin zwei populärwissenschaftliche Abhandlungen zur Astronomie veröffentlicht, die regionale Resonanz fanden; in der Geschwinden Reise verarbeitete Kindermann sein astronomisches Wissen nun in einer imaginären Expedition von fünf Reisenden, Allegorien der menschlichen Sinne, zum Marsmond, um dessen Existenz und Bewohntheit zu beweisen, und schuf damit zugleich die erste originäre Science Fiction Erzählung der deutschsprachigen Literatur.
Kindermanns Weltraumreise ist repräsentativ für die literarische Eroberung des Alls seit dem 17. Jahrhundert. Sie gibt trotz ihrer Kürze zahlreiche Einblicke in die damaligen Diskussionen um astronomisches und kosmologisches Wissen, um die Stellung des Menschen im unendlich entgrenzten und potentiell bewohnten Raum, die seit Bernhard Bouvier de Fontenelles Entretiens sur la Pluralité des Mondes von 1686 in den gelehrten Zirkeln Europas diskutiert wurde. In ihrer Referenz an die Mechanik bewegter Körper, an die materielle Beschaffenheit des Alls und des Ätherfluidums, an die Ordnung des planetarischen Raums und schließlich an die Verfasstheit des Marsmondes und die Stellung seiner Bewohner in der Schöpfungskette zeigt sich Kindermann auf der Höhe der damaligen astronomischen, anthropologischen und theologischen Debatten. Indem er die naturwissenschaftliche Auseinandersetzung um die Vielzahl und Bewohntheit der Welten mit der theologischen Frage nach der Stellung des Menschen in der göttlichen Ordnung harmonisiert, propagiert Kindermann eine für die damalige Zeit charakteristische physikotheologische Versöhnung von Glauben und Wissen und legitimiert – ganz im Geiste der Aufklärung – die wissenschaftliche Erforschung der Natur als probates Mittel zur sittlichen Vervollkommnung des Menschen. Die Edition nach der Erstausgabe von 1744 macht Kindermanns Erzählung seit langem zum ersten Mal wieder textgetreu zugänglich und erschließt über eine sorgfältige Kommentierung und ein Nachwort den historischen Kontext sowie Leben und Werk des unbekannten Autors.

 
 
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