Volker Hagedorn

Wo bin ich?

Bagatellen

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Hinter der Küche wuchert ein Dschungel, unterm Dach lauern die Vögel und im Fitnesscenter die Orks, ein Interregio rast durch Vergils Antike und ein Cinquecento ins Cinquecento. Nicht nur bei defektem Telefon ist der Alltag so abenteuerlich, dass man sich fragen kann: »Wo bin ich?« Eine abschließende Antwort hat der Autor bis heute nicht gefunden, dafür aber Phänomene von Apfelgelee bis Apokalypse zwischen Diluvium und Digitalwahn. Jahrelang erschienen die Texte in der »Hannoverschen Allgemeinen Zeitung«. In diesem Band sind sie zu einer Auswahl gebündelt, in der nicht zuletzt die Norddeutsche Tiefebene als Weltgegend kenntlich wird. Was Abstecher zu den Pinguinen auf Mallorca ebensowenig ausschließt wie Hinweise zur salatfreien Ernährung: »Nasse, kalte Blätter gehören nicht auf den Teller, sondern in den Herbst.«

»Die Schulweisheit lässt uns träumen, dieses Land sei bis in die letzten Winkel ausgeleuchtet, kartiert, verstanden. (…) Volker Hagedorn, in den 90ern Musikredakteur der Leipziger Volkszeitung, verwandelt die Welt in jenes Abenteuerland zurück, das uns der Fortschritt raffiniert wegretuschiert hat. Doch der eine Dschungel wurde nur gegen einen anderen ausgetauscht. Bei Hagedorn treffen sie ›in einem der selten gewordenen Postämter Mitteleuropas‹ aufeinander, während er so an der Diskretionslinie das Bücherangebot durchstöbert. In einem der Stapel findet er ›Das Survival-Buch – Überleben in Extremsituationen‹. Augenblicklich verwandeln sich die Dienstleistungsidylle in eine Hölle mit Mörderbienen und der Autor in Indiana Jones. Rau weist der das Angebot einer Quittung zurück, tritt unter den ›gnadenlosen Himmel Niedersachsens‹, bricht sein Auto auf und rast westwärts. ›Schutzlos bleibt das Postamt zurück.‹ Und dem Erzähler schwant Böses. ›Die Rationalisierer werden es plattmachen, lange bevor die Kobras kommen.‹
In der Tat, wozu braucht man Schlangen und Kobolde, wenn da Handwerker lauern, die schon morgens um sieben die Welt in Unordnung bringen. ›Er wirkte frisch und tatendurstig, während ich noch gar nicht bei Bewusstsein war‹. Doch der Autor protestiert nicht. Er wundert sich. Mal wie ein Entdecker, dann wie ein Romankind von Astrid Lindgren. Über Neugeborene, die aussehen wie Churchill. Sterbende Fliegen. Historisches Geschwiemel in Reiseführern. Oder die eigene Lust am Fleisch-Fassen beim Griechen. Texte zum Sattlesen.« (Leipziger Volkszeitung, 17. März 2005)

»…wunderbare Kurzgeschichten aus dem Alltag – der Autor nennt sie untertreibend Bagatellen –, die Warten zum Genuss machen. Wie fremde Eindringlinge das traute Heim okkupieren, wie der Autor vom atomaren Super-GAU träumt, tatsächlich doch nur den schlechtesten Kaffee der Welt trinkt, wie er Elternhass stilvoll Ausdruck verleiht – alles Meisterwerke und jedes in fünf Minuten zu lesen. Zur Not auch zu Hause im Lehnstuhl. Ein Muss für Liebhaber von Kurzgeschichten!«
(Chrismon Plus. Das evangelische Magazin, 09 / 2005)

  • ISBN: 978-3-86525-099-5
  • 2. korrigierte und verbesserte Auflage
  • 160 Seiten
  • Broschur
  • Am 15.02.2005 erschienen
  • Deutsch
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