Johann Friedrich Schink
Hrsg. von Alexander Košenina

Vorschlag zu einem Orbis Pictus

oder güldnen A.B.C. der heurigen Zeitläufte (Berlin 1799)

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Der Faustdichter und Lessingbiograph Johann Friedrich Schink (1755–1835) wirkte als umtriebiger Dramaturg und Theaterdichter in Berlin, Hannover, Wien und Hamburg. Seine eigentliche Passion galt dabei der Aufklärung. »Der Vorschlag zu einem Orbis pictus nach dem Alphabet« – schreibt er im Nachwort zu dem jetzt erstmals seit 1799 wieder publizierten Text – »hat denselben Geist einer Leidenschaft- und Partheilosen Satyre. Afterfreiheit, Afterregierung, Afterpolitik, Afterphilosophie, Afterschriftsteller- und Afterkunstrichterei, werden hier in lauter Gemälden aus der Geschichte des Tages aufgestellt.« Schink bedient sich dazu der von Comenius 1658 begründeten, in der Aufklärung höchst beliebten und noch heute als ›Bilderduden‹ geläufigen didaktischen Form einer illustrierten Welterschließung (›Orbis pictus‹), allerdings um sie satirisch zu verkehren. Ähnlich wie August Friedrich Cranz in seinen Charlatanerien in alphabetischer Ordnung (1781) oder Christian August Vulpius in seinem Glossarium für das Achtzehnte Jahrhundert (1788) bietet der Vorschlag zu einem Orbis pictus ein vollständiges Alphabet satirischer Einfälle, die durch das thematische Dreigestirn Philosophie – Politik – Poetik geleitet und geordnet werden. Die jeweils aus dem vorangestellten Leitbuchstaben, einem prosaischen Bild und einer gereimten Schlußformel bestehenden witzigen Embleme zielen spöttisch auf die idealistische Philosophie der Kant-Nachfolger, die despotischen Folgen der Französischen Revolution sowie den ästhetischen Geniekult der Klassik und Frühromantik. Damit sind jene drei »Haupttendenzen des Zeitalters« aufgegriffen, die von Friedrich Schlegel in der Französischen Revolution, Fichtes Wissenschaftslehre und Goethes Wilhelm Meister erblickt, von Schinks geistigem Bruder Friedrich Nicolai hingegen in Friedrich dem Großen, der Amerikanischen Republik und der Kartoffel gepriesen werden.

Alexander Košenina

Alexander Košenina, Prof. Dr., wechselte 2008 von einem germanistischen Lehrstuhl in Bristol an die Leibniz Universität Hannover. Er vertritt die deutsche Literatur des 17.–19. Jahrhunderts, beschäftigt sich u.a. mit medizinischen und juristischen Fallgeschichten seit der Frühen Neuzeit und interessiert sich für Wechselwirkungen zwischen Malerei und Literatur. Zahlreiche Bücher, Aufsätze, Feuilletons und Editionen zur Literatur des 17. bis 21. Jahrhunderts.

  • ISBN: 978-3-93232-491-8
  • Mit einem Nachwort von Alexander Košenina
  • 40 Seiten
  • Heft
  • Am 22.12.2000 erschienen
  • Deutsch
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