Amalie von Imhoff (1776–1831) begann ihre schriftstellerische Karriere im klassischen Weimar des ausgehenden 18. Jahrhunderts. Dort entstand ein Großteil ihrer klassizistischen Werke. Von Zeitgenoss:innen mitunter gar als Genie und »Deutschlands Lieblingsdichterin« gepriesen, sind ihre Werke heute zu Unrecht nahezu vollkommen vergessen. Zu ihrem 250. Geburtstag lädt diese Ausgabe dazu ein, ihr Werk neu zu entdecken und das Bild der Weimarer Klassik durch eine weibliche Stimme zu erweitern.
Der Band versammelt Texte aus allen drei Großgattungen und zeigt die Vielseitigkeit der Autorin. Besonders ihr Versepos Die Schwestern von Lesbos ist nicht nur das Produkt einer weiblichen Feder, sondern befasst sich auch mit weiblicher Handlungsmacht und den sozialhistorischen Restriktionen für Frauen um 1800. Die Tageszeiten verknüpfen vier Gedichte, die ihre thematische Vielfalt aus der Tradition der griechischen Idylle entlehnen und Themen wie Freundschaft, Liebe und Kunst verhandeln. Die Schwestern auf Corcyra stellt abschließend das Thema der Liebe im fortgeschrittenen Alter ins Zentrum.
Alle drei Werke verbindet gleichermaßen der Bezug zur Literatur und Kultur der Antike sowie zur zeitgenössischen Dichtung Weimars. Sie legen ein beredtes Zeugnis von Imhoffs Formwillen und ihrer ästhetischen Gestaltung ab.