In seinem 1795 erschienenen Essay Zum ewigen Frieden erörtert Immanuel Kant (1724–1804) die aus seiner Sicht notwendigen Grundlagen für einen dauerhaften Frieden. Bis zum Erinnerungsjahr an den 300. Geburtstag des Verfassers hat der Friedensentwurf nicht an Gültigkeit verloren. Davon zeugen unter anderem die verschiedenen Ausgaben des Essays, die im Rahmen von Buchreihen erschienen sind. 37 solcher Ausgaben aus der Zeit von 1870 bis 2024 bilden das Korpus der vorliegenden Studie. Kants Essay ist in allen wichtigen staats- und kulturpolitischen Phasen dieses Zeitraums Teil von Buchreihen mit je eigenem materiellem und inhaltlichem Konzept. Unter Berücksichtigung der jeweiligen kulturellen und ökonomischen Entstehungs- und Distributionsbedingungen untersucht die vorliegende Studie die unterschiedliche Funktionalisierung von Kants Friedensschrift im Kontext der verschiedenen Buchreihen. Es zeigt sich, dass dem Essay mal der Status eines weltliterarischen oder philosophischen Klassikers zugeschrieben wird; mal zeugt die bibliophile Aufmachung einer Ausgabe von der besonderen Wertschätzung der Schrift; dann wieder erscheint der Friedensentwurf als politisch-erzieherisches Lehrwerk oder steht im engen Zusammenhang zeitgenössischer kulturpolitischer Tendenzen oder bestimmter Entwicklungen auf dem Buchmarkt, auf dem Kants Essay seit seiner Ersterscheinung bis heute präsent ist.
Neele Wiezer ist wissenschaftliche Mitarbeiterin in der ›Arbeitsstelle Buchreihenforschung‹ im Bereich Germanistik der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg.