Mit dem Nicolas-Born-Preis 2024 zeichnet das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur den Schriftsteller Maxim Biller aus. Maxim Biller ist als streitbarer Essayist und großer Prosaist einer der wichtigsten Autoren seiner Generation. Sein Werk von Harlem Holocaust bis Mama Odessa zählt seit langem zum Kanon der deutschsprachigen Literatur nach der Shoah. Billers kunstvoll, versiert und stilistisch elegant geschriebenen Texte verhandeln mit hohem persönlichen Einsatz Themen, die erst mit Verzögerung auch im Bewusstsein der Allgemeinheit als die drängenden Fragen der Gegenwart begriffen worden sind, etwa die Erfahrung von Exil oder Antisemitismus. Dabei unterwirft seine Literatur sich nie einem kollektivistischen Weltbild, sondern besteht stets auf der Individualität und dem Eigensinn der Figuren, der Vielfalt ihrer Perspektiven und auch ihrem Recht auf Uneindeutigkeit.
Charlotte Gneuß erhält den Nicolas Born-Debütpreis für ihren Roman Gittersee, der mit kunstvoll reduzierten Mitteln den atemberaubend kurzen Weg einer ganz jungen Frau vom Opfer des repressiven DDR-Systems zur potentiellen Mit-Täterin entfaltet. Gittersee zeigt, dass sich auch in einer Zeit zugespitzter Debatten subtil und fern jeder Thesenhaftigkeit von der menschlichen Katastrophe erzählen lässt.