Die Erkundung des Fremden galt in der Frühen Neuzeit und in der Aufklärung lange als Domäne reisender Männer. Doch immer mehr Frauen stellten sich gegen die herrschenden Konventionen und brachen auf, um die Welt selbst zu entdecken. Andere inszenierten ihre Vorstellungen vom Fremden in fiktiven Reisen und lebten ihre Phantasien in der Figur der Abenteurerin oder Entdeckerin aus. In Form von Reisebriefen, -tagebüchern, -berichten, -romanen, -erzählungen oder auch Bildern vermittelten sie ihre Eindrücke von fremden Kulturen, Landschaften und Religionen und prägten so die kollektive Wahrnehmung anderer Länder, ihrer Menschen und Lebensweisen mit.
Der Band versammelt exemplarische Studien zu Reisetexten europäischer Autorinnen und zeigt, wie Neugier und Erkenntnisdrang zu produktiven Kräften literarischer, künstlerischer und wissenschaftlicher Innovation werden. Sichtbar werden vielfältige Erkundungsräume: geografische ebenso wie Erfahrungs-, Schreib- und Forschungsräume, – Räume, in denen sich Fremdheit als Herausforderung und als schöpferische Möglichkeit zugleich erweist.