Die Tragikomödie Der Hofmeister (Erstdruck 1774) ist das einzige Drama von Jakob Michael Reinhold Lenz (1751–1792), das zu Lebzeiten des Autors nachweislich auf einer öffentlichen Theaterbühne gespielt wird. Dass die Theaterschaffenden dem Skandaldrama zögerlich begegnen, ist vor dem Hintergrund der zeitgenössischen Bühnenpraxis nachvollziehbar. Das Stück sprengt nicht nur formal aufgrund des Bruchs mit der traditionellen Lehre von den drei Einheiten die Kapazitäten der Kulissenbühne, sondern wird aufgrund der eklatanten Verstöße wider die Moral als unspielbar eingeschätzt. Immerhin dreht sich das Stück um die sexuelle Affäre des Hofmeisters Hermann Läuffer mit seiner adligen Schülerin Gustchen, wobei Lenz hier auf die populäre Liebesgeschichte von Abaelard und Heloise anspielt. Zudem handelt das Stück von Gustchens vorehelicher Schwangerschaft und ledigen Mutterschaft sowie von Läuffers Selbstkastration. Insbesondere die Kastration sorgt dafür, dass eine Bühnenaufführung ablehnt wird. Und doch wagt der Hamburger Theaterleiter Friedrich Ludwig Schröder (1744–1816) das Bühnenexperiment mit Lenz’ Kastrationsdrama. Zu Jahresbeginn 1778 entsteht eine Bühnenbearbeitung des Hofmeisters. Zwar ist diese Hamburger Spielfassung, die der Premiere am 22. April 1778 zugrunde liegt, nicht überliefert, jedoch existiert ein Mannheimer Bühnenmanuskript aus dem Jahr 1780. Schröder, der sich im Sommer 1780 in Mannheim aufhält, übermittelt dem Theaterintendanten Wolfgang Heribert von Dalberg (1750–1806) seine Bühnenbearbeitung. Am Mannheimer Theater erstellt der Kopist und Souffleur Johann Daniel Trinkle (auch Johann David Trinkle, unbekannt–1814) eine Abschrift dieser Schröder’schen Bühnenfassung für die geplante Erstaufführung am 10. Oktober 1780. Das erhaltene Mannheimer Soufflierbuch, welches bei den Hofmeister-Aufführungen zwischen 1780 und 1791 verwendet wird, ist ein zentrales Dokument, das instruktive Einblicke in die frühe Bühnenrezeption des Hofmeisters gewährt. Das Mannheimer Bühnenmanuskript wird in der vorliegenden Edition erstmals veröffentlicht und mit einem Nachwort herausgegeben.