Kabbala galt nicht immer schon als jüdische Mystik. Kabbala und jüdische Mystik sind auch keine Synonyme oder Wechselbegriffe. Die ersten kabbalistischen Schriften entstanden im rabbinischen Judentum der Spätantike und im frühen Mittelalter, ihren Namen erhielten die Kabbala und dieses Schrifttum um das Jahr 1200. Seitdem und bis in die Gegenwart werden die kabbalistischen Schriften und ihre Autoren als Kabbala tradiert. Kabbala wird von Juden, wie auch von Christen, aber erst seit dem frühen 19. Jahrhundert als jüdische Mystik betrachtet, als in der deutschen Romantik die metaphysische Gotteserkenntnis durch das innerliche Gottesgefühl und die Mystik als frommer Kern von Religion abgelöst wurde. Das ist eine bahnbrechende Neuerung, denn die rabbinische Literatur seit der Antike, zu der auch das Teilgebiet der Kabbala gehört, hatte nie einen eigenen Begriff für Mystik, und sie hat Kabbala nie zur Mystik erklärt. Der Begriff Mystik stammt ursprünglich aus neuplatonischen und dann christlichen Traditionen der Antike und des Mittelalters. Er wurde erst seit der Spätromantik für die Kabbala, aber auch für den Sufismus als islamische Mystik, den Hinduismus und den Buddhismus verwendet. Während Kabbala in der Frühen Neuzeit und bis zur Aufklärung noch als esoterische jüdische Philosophie gegolten hatte, haben moderne jüdische Gelehrte in der Wissenschaft des Judentums vom frühen 19. Jahrhundert an bis zu Buber und Scholem die Kabbala als jüdische Mystik betrachtet und interpretiert. Dass und wie seit der deutschen Romantik, und unter ihrem Einfluß, aus der Kabbala Die jüdische Mystik wurde, analysiert und beschreibt dieses Buch.