Die Dichtung war eine der Möglichkeiten, die es Frauen aus der portugiesischen Oberschicht erlaubte, sich im strengen Reimkorsett über die wechselvolle Geschichte der Jahrhunderte hinweg kunstvoll zu Wort zu melden. In der Auswahl wird deutlich, dass es den Poetinnen nie nur um den Glanz der Festkleider ging, sondern sie wie D. Joana da Gama moralische und philosophische Fragestellungen aus weiblicher Perspektive reflektierten und wie Soror Violante do Céu und die Marquesa de Alorna poetische Freundinnenschaften pflegten. Das vergangene Jahrhundert brachte neue Möglichkeiten und gesellschaftliche Herausforderungen mit sich, zu denen die weiblichen Stimmen von Florbela Espanca bis Maria Teresa Horta Stellung bezogen, insbesondere im Kampf um die Emanzipation und in der Kritik an Diktatur und Kolonialismus. Die heutigen Poetinnen setzen sich in freien Versmustern für Vielfalt jenseits von ökonomischer Globalisierung, europäischer Abschottung und Feindbildern ein, notfalls, wie Lídia Jorge schreibt, mit dampfendem Bügeleisen.