Hrsg. von Jochen Grywatsch

Raum. Ort. Topographien der Annette von Droste-Hülshoff

Droste-Jahrbuch 7, 2007/2008

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Das Topographische, der Bezug auf Räume und Orte, auf Regionen und Landschaften, hat seit einigen Jahren in unterschiedlichen Disziplinen – vor dem Hintergrund von Globalisierung, digitaler Revolution und tief greifender geopolitischer Veränderungen u.a. im Zusammenhang mit der Neuordnung Europas – neue Aufmerksamkeit erlangt. Dies weist deutliche Analogien zu der Zeit der Annette von Droste-Hülshoff auf, zur ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Im Spannungsfeld zwischen Revolution und Restauration, Biedermeier und Vormärz bestimmten Brüche, Einschnitte und Transformationen maßgeblich die Signatur einer Epoche, in der – hervorgerufen durch vielfältige politisch-territoriale und gesellschaftliche Veränderungen – Räume, Grenzen und Ordnungen einem raschen und ständigen Wandel unterzogen waren.
Das Werk Annette von Droste-Hülshoffs ist in signifikanter Weise gekennzeichnet von Bezügen zu Räumen, zu Orten und zu Landschaften. Dieser Befund steht auch am Anfang einer Rezeptionsgeschichte, die Droste plakative Zuschreibungen wie »Westfälische Heidenachtigall« und das Klischee einer weltfremden, konservativen Heimatdichterin einbrachte. Sie selbst hat sich in ihrem literarischen Werk und Briefkorpus in vielerlei Hinsicht räumlich orientiert, expliziert und verortet. Dies bezieht sich nicht allein auf die heimatliche Umgebung des Münsterlandes, sondern gleichermaßen auf diejenigen Regionen, die sich die Droste als Reisende erschlossen hat, wie z. B. die Bodenseeregion mit den Orten Meersburg und Eppishausen. In den Blickpunkt rücken die lyrischen Westfalen- und Bodenseebilder ebenso wie die landschaftsbezogenen Prosawerke und die Reiseschilderungen in ihren Briefen. Dabei haben ihre raum- und ortsbezogenen Texte eine zentrale Gemeinsamkeit: Sie stellen kaum einmal ein beschauliches, idyllisierend-affirmatives Landschaftsbild her, sondern es sind in ihnen stets die Brüche, die Irritationen und die Abgründe eingeschrieben.
Der vorliegende Band dokumentiert das Kolloquium »Raum. Ort. Topographien der Annette von Droste-Hülshoff«, das vom 17. bis 20. Mai 2007 in Meersburg stattfand. In vierzehn Beiträgen wurde den Repräsentationen, Motiven und Funktionen von Raum und Räumlichkeit in Leben und Werk der Annette von Droste-Hülshoff nachgegangen und deren Aneignung, Prägung und Wirksamkeit im Hinblick auf die Autorin umfassend neu konturiert.

  • ISBN: 978-3-86525-117-6
  • 312 Seiten
  • Broschur
  • Am 16.04.2009 erschienen
  • Deutsch
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